Oktopus im Traum mit fließenden Armen treibt durch leuchtendes Wasser, ruhig und elegant

Traum vom Oktopus: ein vielarmiger Verstand, der alles hält

„Der Oktopus erscheint jenen im Traum, die zu viel halten — oder die lernen sollten loszulassen.“

Der Oktopus ist ein Wesen, das man nicht übersehen kann. Acht Arme. Jeder Arm hat ein eigenes Hirn — er kann selbständig handeln. Er wechselt Farbe und Form augenblicklich — wird unsichtbar oder furchteinflößend nach Belieben. Er kann Gläser öffnen, Aufgaben lösen, Menschen wiedererkennen. Wissenschaftler halten ihn für das klügste wirbellose Tier des Planeten.

In der griechischen Mythologie ist der Oktopus ein Zeichen der Wandelbarkeit und der Wasserwelt. In den nordischen Sagas ist der riesige Kraken ein Oktopus-Ungeheuer, das Schiffe auf den Grund zieht. In der japanischen Kultur trägt der Oktopus ein doppelschichtiges Gesicht: weise, biegsam, unvorhersehbar.

Im Traum trägt der Oktopus mehrere mögliche Bedeutungen: das Vielaufgabige und die Überlastung, die Verborgenheit und die Tarnung, das Zähe und das Nicht-loslassen-Wollen, und einen erstaunlichen vielseitigen Verstand. Welche davon auf deinen Traum antwortet, erfährst du nur, indem du nach innen schaust.

Wohl hat dich in dieser Aufzählung ein Wort stärker als die anderen erwischt. Vielleicht hast du gerade jetzt schon eine Antwort, um welches es geht.

Der Oktopus streckt die Fangarme nach dir aus

Seine Arme umschlingen dich oder etwas in deiner Nähe. Das ist nicht zwangsläufig grausam. Doch nicht loslassend. In dieser Umarmung liegt etwas Drückendes.

Durch diesen Traum spricht dein Wächter: jener Teil, der die Kontrolle zu verlieren fürchtet und deshalb hält. Ein Oktopus, der mit den Fangarmen umschlingt, verkörpert eine Kontrolle, die in Aufdringlichkeit übergegangen ist. Das kann deine eigene Kontrolle sein — über die Lage, über Menschen, über die Zukunft. Oder es verkörpert die Kontrolle eines anderen über dich.

Acht Arme — acht Haltegriffe. Wie viele Dinge hältst du gleichzeitig? Wie viele halten dich fest — in Gestalt fremder Erwartungen, unerledigter Sachen, Verpflichtungen, die längst belasten?

Der Oktopus kann loslassen. Er tut es nur nicht von selbst. Es braucht eine Absicht — die bewusste Entscheidung, die Hände zu lösen.

Frage dich: „Was halte ich gerade jetzt zu fest? Was fürchte ich zu verlieren, wenn ich loslasse? Und was wird sich befreien — in mir und um mich —, wenn ich die Hände lösen lasse?“

Ball die Fäuste so fest du kannst — drei Sekunden lang. Dann lös sie langsam. Spür den Unterschied. So fühlt sich das Loslassen an.

Astrologische Notiz: Ein Oktopus mit Fangarmen verweist auf den Skorpion oder Pluto im 4. oder 7. Haus oder auf einen Transit Plutos durch das 4. Haus. Skorpione und Krebse mit Pluto in den persönlichen Häusern tragen das Thema einer zähen Bindung. Aktiviert Pluto gerade transitierend dein 4. Haus, verlangt etwas, an dem du festhieltst, die Befreiung.

Der Oktopus wechselt die Farbe

Er verändert sich vor den Augen. Dunkel und drohend. Bleich und fast unsichtbar. Leuchtend. Jedes Mal anders.

Hier spricht dein Rebell: jener Teil, der in verschiedenen Lagen verschieden sein kann. Ein farbenwechselnder Oktopus verkörpert die Biegsamkeit und die Anpassung. Das kann ein Lob sein: Du verstehst es, dich anzupassen, einen Zugang zu verschiedenen Menschen zu finden, in verschiedenen Zusammenhängen nicht derselbe zu sein.

Doch es verkörpert auch einen möglichen Verlust seiner selbst in der Anpassung. Wenn wir zu oft die Farbe wechseln, können wir vergessen, wie unsere eigene aussieht. Wenn wir uns zu gut an die Erwartungen anderer anpassen, wo sind dann wir selbst?

Der Oktopus weiß, wer er unter allen Farben ist. Und du?

Frage dich: „Wie oft wechsle ich die Farbe — passe mich Erwartungen an, lege verschiedene Masken an? Habe ich ein Empfinden meiner Grundfarbe — dessen, wer ich bin, wenn niemand in der Nähe ist?“

Verweile fünf Minuten in der Einsamkeit — ohne Spiegel, ohne Bildschirme, ohne Rollen. Wer bist du, wenn niemand zuschaut? Das ist deine Grundfarbe.

Astrologische Notiz: Ein farbenwechselnder Oktopus verweist auf Neptun oder Merkur in den wandelbaren Zeichen Zwillinge, Jungfrau oder Fische oder auf einen Transit Neptuns durch das 1. Haus. Zwillinge und Fische mit einem starken Neptun tragen diese Biegsamkeit als Gabe und Herausforderung. Geht Neptun gerade transitierend durch dein 1. Haus, ist die Frage „Wer bin ich unter den Masken?“ besonders gegenwärtig.

Du und der Oktopus begegnen einander

Er schaut dich an. Du schaust ihn an. In diesem gegenseitigen Erkunden liegt etwas Faszinierendes. Zwei Verstände begegnen sich, sehr verschieden, doch gleich neugierig.

Durch diesen Traum spricht dein Entdecker: jener Teil, der sich am Ungewöhnlichen freut. Ein furchtloser Umgang mit dem Oktopus verkörpert die Begegnung mit etwas, das ganz anders arbeitet, als du es zu denken gewohnt bist. Ein anderer Typus des Denkens. Eine andere Art, Aufgaben zu lösen. Eine andere Klugheit.

Der Oktopus denkt mit dem ganzen Körper — jeder Arm verarbeitet Information selbständig. Das verkörpert ein nichtlineares, mehrsträngiges Denken. Eine Intuition, die parallel statt nacheinander arbeitet.

Dein Unbewusstes sagt durch diesen Traum: Es gibt einen anderen Weg, darüber zu denken. Es gibt eine nichtlineare Lösung. Erlaube dir, nicht nur den geraden Weg zu gehen.

Frage dich: „Gibt es in meinem Leben eine Lage, die ich linear zu lösen versuche — von A nach B —, die aber einen vielarmigen Zugang verlangt? Welche Fangarme kann ich zugleich einsetzen?“

Zeichne deine Aufgabe in die Mitte eines Blattes. Ringsum platzier alle Wege, die dir einfallen, sie anzugehen. Der Oktopus denkt nicht linear, sondern radial.

Astrologische Notiz: Ein Austausch mit dem Oktopus verweist auf Uranus oder Merkur im 12. oder 8. Haus oder auf einen Transit des Uranus durch das 3. Haus. Wassermänner und Zwillinge mit Uranus in den mentalen Häusern tragen diesen nicht-konventionellen Verstand. Aktiviert Uranus gerade dein 3. Haus, öffnet das nicht-konventionelle Denken neue Wege.

Ein riesiger Oktopus in der Tiefe

Er ist riesig. Sein Maß lässt sich mit dem Blick nicht umfassen. In seiner Gegenwart liegt etwas, das bis zur Erstarrung erschreckt.

Hier spricht dein Wächter: jener Teil, der signalisiert, dass etwas zu groß geworden ist. Ein riesiger Oktopus verkörpert eine Lage oder ein Gefühl, das zu einem Ausmaß angewachsen ist, das unbeherrschbar scheint. Das kann Unruhe sein. Schulden. Verpflichtungen. Fremde Forderungen. Eigene Ängste.

Alles, was angewachsen ist und nun als Ungeheuer erscheint, sind Bewerber für die Rolle des riesigen Oktopus. Wichtig zu erinnern: Ungeheuer im Traum verkörpern stets etwas, das benannt werden kann. Und was benannt werden kann, ist schon nicht mehr so beängstigend.

Frage dich: „Gibt es in meinem Leben etwas, das zur Größe eines Ungeheuers angewachsen ist? Wenn ich es genau benenne, was ist es? Was wäre die erste, kleinste Handlung, die anfangen würde, diesen Oktopus zu verkleinern?“

Schreib das Ungeheuer mit einem Wort auf Papier. Schau das Wort an. Es passt auf eine Handfläche. Also nicht mehr so riesig, wie es schien.

Astrologische Notiz: Ein riesiger Oktopus verweist auf Neptun oder Pluto im schweren Aspekt zum Mond oder auf einen Transit Plutos durch den Aszendenten. Fische und Skorpione in Phasen schwerer plutonischer Transite sehen diese Erscheinung. Drückt Pluto gerade auf deinen Aszendenten, verlangt etwas Riesiges, dass du es benennst und ihm begegnest.

Der Oktopus ist im Traum stets eine Begegnung mit dem Vielaufgabigen und mit dem Halten. Mit einer Anpassung, die zum Verlust seiner selbst werden kann. Mit einem nicht-konventionellen Verstand, der einen nichtlinearen Weg vorschlägt. Und mit dem, was zu Furchterregendem angewachsen ist, das man aber stets benennen kann.

Lass den Oktopus aus deinem Traum dir zeigen: Acht Arme sind viel. Doch auch der Oktopus hat eine Mitte. Und du hast sie auch.

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