Sanfte Lippen im Traum leicht geöffnet mit warmem rosagoldenem Schein, der nach außen strahlt

Traum von Mund und Lippen: die Worte, die ausgesprochen werden wollen

„Der Mund erscheint jenen im Traum, die schweigen — über das, was längst danach verlangt, laut ausgesprochen zu werden.”

Der Mund ist der Ort, an dem das Innere zum Äußeren wird. Eben durch ihn sprechen wir — geben Gedanken und Gefühle in die Welt. Durch den Mund nehmen wir Nahrung auf — holen aus der Welt das, was uns nährt. Durch den Mund singen wir, lachen, schreien, weinen. Er ist der gesellschaftlichste Ort des Körpers: Genau über ihn treten wir mit den anderen Menschen in Berührung.

In den meisten Kulturen ist der Mund zugleich ein Ort der Kraft und der Gefahr. Das Wort kann schaffen und zerstören. Im Hinduismus ist der Mund Brahmas die Quelle der Veden, des heiligen Wissens. In der ägyptischen Überlieferung ist die ‚Mundöffnung’ ein Ritus, der dem Verstorbenen die Fähigkeit verleiht, in der jenseitigen Welt zu sprechen. In der jüdischen Mystik schuf Gott die Welt durch das Wort. ‚Im Anfang war das Wort’ ist keine Metapher, sondern die Beschreibung einer ursprünglichen Kraft.

Die Lippen sind die feinste Grenze zwischen dem Inneren und dem Äußeren. Die Berührung der Lippen — der Kuss — ist eine der innigsten Gesten. Geschlossene Lippen stehen für Zurückhaltung. Ein offener Mund für Verletzlichkeit oder Verwunderung. ‚Den Mund halten’ heißt schweigen. Das Wort ist eine Quelle des Schaffens.

Im Traum trägt der Mund den Sinn des Sprechens, des Ausdrucks, des Nährens und der Berührung. Was genau mit deinem Mund im Traum geschieht, ist der Schlüssel zum Verstehen.

Schon in der Pause an dieser Stelle hat es sich dir wahrscheinlich gezeigt: Was genau ungesagt geblieben ist und wem genau. Lass dieses Zeigen bleiben.

Der Mund öffnet sich nicht

Du willst sprechen, doch du kannst es nicht. Der Mund öffnet sich nicht. Oder die Worte kommen nicht heraus. In dieser Erscheinung liegen Ohnmacht und Anspannung.

Durch dieses Bild spricht dein Wächter: jener Teil, der weiß, dass etwas Wichtiges ungesagt ist. Ein Mund, der sich nicht öffnet, verkörpert Worte, die ausgesprochen werden wollen, die aber etwas zurückhält. Eine Furcht. Ein Verbot. Eine Überzeugung, dass es eben nicht erlaubt sei.

Was genau sagst du nicht? Wem? Warum?

Manchmal ist Schweigen die richtige Wahl. Doch manchmal sammelt es sich an und wird zu einer Last. Träume von einem geschlossenen Mund sind ein Signal: Etwas verlangt nach Ausdruck.

Frage dich: „Gibt es etwas, das ich sagen will, aber nicht sage? Wem? Was hält mich zurück? Was geschieht, wenn ich es ausspreche?”

Sprich ein einziges Wort laut aus — jenes, das festsitzt. Nicht zu jemandem, sondern zu dir selbst. Ein einziges Wort, laut gesprochen, öffnet den Mund manchmal weiter als eine ganze Rede.

Astrologische Notiz: Ein geschlossener Mund verweist auf Saturn oder Pluto im 3. oder 5. Haus oder auf einen Transit Saturns durch das 3. Haus. Zwillinge und Steinböcke mit Saturn im 3. Haus tragen dieses Thema unterdrückter Sprache. Steht Saturn gerade transitierend in deinem 3. Haus, verlangen die zurückgehaltenen Worte nach Auslass.

Du sprichst, doch man hört dich nicht

Du sprichst. Du sprichst viel. Doch niemand hört dich oder versteht dich. In dieser Erscheinung liegt eine besondere Einsamkeit.

Hier spricht dein Inneres Kind: jener Teil, der gehört werden will. Zu sprechen und nicht gehört zu werden ist eine der schmerzhaftesten Erfahrungen des Menschen. Es ist das Bild des Nicht-Anerkanntwerdens, der Unsichtbarkeit. Wenn du etwas Wichtiges ausdrückst und es nicht ankommt.

Es kann eine wirkliche Lage sein: Du sprichst, doch man hört nicht. Oder das Bild einer inneren Spaltung: Du sprichst nach außen etwas, das nicht übereinstimmt mit dem, was du von innen sagen willst.

Frage dich: „Gibt es in meinem Leben die Erfahrung ‚Ich spreche — und werde nicht gehört’? Wie stehe ich dazu? Und gibt es einen Weg, anders zu sprechen — damit man mich endlich hört?”

Schreib einen Satz an den, der dich nicht hört — nicht um ihn zu senden, sondern um ihn dir selbst laut zu sagen. Einen kurzen, treffenden, ohne Erklärung. Manchmal genügt es, dass du selbst das Wort gehört hast.

Astrologische Notiz: Sprechen ohne Antwort verweist auf Merkur oder den Mond im 12. Haus oder auf einen Transit Neptuns durch das 3. Haus. Fische und Zwillinge erleben in Phasen Neptuns im 3. Haus oft diese Erfahrung der Unsichtbarkeit im Sprechen. Steht Neptun gerade transitierend in deinem 3. Haus, suchen deine Worte nach einer neuen, klareren Sprache.

Ein Kuss auf die Lippen

Die Lippen begegnen sich. In dieser Berührung liegt etwas, das mehr ist als Worte.

Durch dieses Bild spricht dein Inneres Kind: jener Teil, der die Berührung sucht. Der Kuss verkörpert den Wunsch nach Nähe. Nach Verbindung. Nach einer Berührung, die jenseits der Worte liegt. Es kann ein romantisches Verlangen sein. Oder ein weiteres: ein Durst nach Nähe, nach Wärme, nach dem Daneben-Sein.

Wer hat dich im Traum geküsst? Oder wen hast du geküsst? Die Antwort darauf ist ein wichtiger Hinweis darauf, welche Art von Nähe dich gerade anzieht.

Frage dich: „Habe ich gerade jetzt einen Durst nach Nähe — den Wunsch, jemandem oder etwas näher zu sein? Was für ein Wunsch ist das, und erlaube ich mir, ihn zu spüren?”

Berühre etwas Warmes und Lebendiges — die Hand eines Nahestehenden, das Fell eines Hundewelpen, deine eigene Handfläche. Verweile drei Sekunden lang. Ein Durst nach Nähe wird manchmal von einer einzigen Berührung gestillt.

Astrologische Notiz: Der Kuss verweist auf Venus oder den Mond im 5. oder 7. Haus oder auf einen Transit Jupiters durch das 5. Haus. Waagen und Stiere mit Venus im 5. Haus tragen diesen Durst nach Nähe als natürliche Anlage. Steht Jupiter gerade transitierend in deinem 5. Haus, ist der Wunsch nach Nähe besonders stark und kann gelebt werden.

Etwas im Mund, das stört

Etwas im Mund. Es stört. Du versuchst es zu entfernen, doch es bleibt. In dieser Erscheinung liegt das unangenehme Empfinden eines Fremdkörpers.

Hier spricht dein Heiler: jener Teil, der zwischen ‚Ich möchte sagen’ und ‚Ich kann nicht’ feststeckt. Etwas im Mund, das das Sprechen stört, ist das Bild eines festsitzenden Wortes. Eines Wortes, das du weder hinunterschlucken noch aussprechen kannst. Es kann ein schwieriges Gespräch sein, das du aufschiebst. Ein Geständnis, zu dem du dich nicht durchringst. Eine Gräte im Hals — etwas, das keine Ruhe lässt, doch auch nicht hinausgeht.

Frage dich: „Habe ich etwas ‚im Mund’ — ein Gespräch, ein Geständnis, ein Wort — das ich weder hinunterschlucken noch aussprechen kann? Was hilft mir, es endlich auszudrücken?”

Schreib es aufs Papier — nicht für jemanden, sondern für dich selbst. Ein Wort, das festsitzt, beginnt sich zu bewegen, sobald man es vor sich sieht.

Astrologische Notiz: Etwas im Mund verweist auf Chiron oder Saturn im 3. Haus oder auf einen Transit Chirons durch das 3. Haus. Zwillinge und Steinböcke mit Chiron im 3. Haus tragen dieses Thema eines festsitzenden Wortes. Steht Chiron gerade transitierend in deinem 3. Haus, ist die Zeit gekommen, endlich auszusprechen, was festsitzt.

Mund und Lippen sind im Traum stets eine Begegnung mit Sprache und Berührung. Mit dem, was schweigt und nach Aussprache verlangt. Mit dem Wunsch nach Nähe. Mit dem, was festsitzt und nach Auslass sucht.

Lass den Mund aus deinem Traum dir zeigen, was ausgesprochen werden will. Worte sind nicht bloß Worte. Sie schaffen Wirklichkeit. Und deine Worte schaffen die deine.

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